Pünktchens Reiseabenteuer

logo

Suche:

Freitag, 8. September

Ballobar – Saint-Lary-Soulan – L'Isle-Sur-Tarn

(Google Maps)

Um sieben weckt mich ein stetiger Strom kleiner Traktoren, die sich auf den Weg in die umliegenden Obstplantagen machen. Ich schnappe mir den Hund und steige hinab zum Flußufer. Das Wetter ist herrlich, der Morgen kühl, das Leben schön. Zehn Minuten später ist auch Gabi auf den Beinen und wir machen auf der anderen Flussseite einen ausgedehnten Spaziergang durch die Obstfelder. Gabi klaut zum Andenken zwei Pfirsiche und dann machen wir, dass wir weiterkommen. 

Irgendwie gelingt es uns, in Chalamera die kleine Straße nach Alcolea de Cinca zu erwischen und damit sind wir wieder auf Kurs nach Barbastro. Auf den langen, schmalen Sträßchen habe ich nun oft genug Gelegenheit, mich an Pünktchens Breite zu gewöhnen. Ich merke mir zudem eine Stelle auf dem Armaturenbrett, die ich mit der rechten Fahrbahnbegrenzung zur Deckung bringen kann, ohne im Graben zu landen.

Vor Barbastro geht es bereits Richtung Ainsa und den Bielsa-Tunnel. Die Strecke ist landschaftlich schön und führt in zahlreichen Kurven zwischen Sierra links und Stausee rechts. Unterwegs rasten wir bei einem lauschig gelegenen Gasthaus und nehmen einen Café con leche zu uns, und die Gelegenheit wahr, die Morgentoilette zu erledigen.

Hinter Ainsa geht es weiter am Rio Cinca entlang, bis wir gegen Mittag endlich den Bielsa-Tunnel erreichen und durchqueren.

Kurz hinter dem Tunnel werden wir mit einem uns bis dato unbekannten Phänomen konfrontiert. Der Fahrer eines uns entgegenkommenden Wohnmobils hebt die Hand und winkt uns zu. Uns bleibt nichts weiter, als überrascht zurückzuglotzen, dann ist er schon vorbei. Ein paar Kilometer weiter begegnet uns das nächste Wohnmobil und auch dieser Fahrer hebt lässig den Arm.

"Du, Gabi", sag ich. "Ich glaube, Wohnmobilfahrer grüßen sich." Ich finde das voll cool, denn ich bin ja jetzt auch ein Mitglied dieser elitären Gemeinschaft, und lasse von nun an keine Gelegenheit aus, meinen Mitmobilisten zuzuwinken.

Eine weitere Erfahrung, die ich nach dem Bielsa-Tunnel mache, ist, dass es etwas ganz anderes ist, mit einem Dreitonner steile Serpentinen herunterzurollen, als mit einem PKW. Die Bremsen sind auf den ersten Kilometern im Dauereinsatz, bis ich lerne, mit Hilfe der Motorbremswirkung ein langsameres, aber dafür konstantes Tempo zu halten, und die Beläge zu schonen.

Ein paar Kilometer hinter dem Tunnel erreichen wir Saint-Lary-Soulan und machen eine ausgedehnte Pause. Die Franzosen entpuppen sich vom ersten Moment an als Wohnmobil-freundliches Völkchen, denn ein Hinweisschild auf dem Parkplatz klärt darüber auf, dass das Übernachten hier zwar verboten, auf dem Parkplatz am Stadion jedoch erlaubt ist.

Wir bummeln durch den beschaulich-adretten Ort mit den vielen kleinen pyrenäen-typischen Steinhäusern, der sich leider im Mittagsschlaf befindet, und erwägen einen Moment, gleich hier zu bleiben. Aber noch ist es früh am Tag und es zieht uns weiter.

Am Nachmittag erkunden wir hinter St. Gaudens einen französischen Supermarkt (endlich mal wieder nach langer Zeit) und decken uns mit dem Nötigsten (Vin Rouge, Fromage, Rilletes, Bonne Maman) sowie ein paar Meter Baguettes ein. Außerdem erstehe ich für zehn Euro einen französischen Campingplatzführer. Man weiß ja nie ...

Toulouse passieren wir auf der Autobahn und stellen uns hinter der Ausfahrt bei Saint-Jean ein paar Kilometer in den Feierabendstau. Wir folgen der N88 Richtung Gaillac, denn bei L'Isle-Sur-Tarn gibt es laut WoMo-Führer einen empfehlenswerten Übernachtungsplatz. Den finden wir auch problemlos, als wir auf der N88 den Ort umfahren und am Ortsausgang zurückblicken. Ein Parkplatz, direkt am See, eine öffentliche Toilette, eine Pizzeria hundert Meter weiter und ein Hallenbad gegenüber - Camperherz, was willst du mehr?