Pünktchens Reiseabenteuer

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Donnerstag, 7. September

Alfaz del Pi – Ballobar

(Google Maps)

Als ich mich im Juni das erste Mal auf den Fahrersitz geschwungen habe, kam mir Pünktchen riesig groß vor. Auf den ersten Kilometern hatte ich weniger die Straße vor mir, als vielmehr die Fahrbahnbegrenzungen links und vor allem rechts im Auge. Nach zweitausend Kilometern Autobahn hat sich diese Unsicherheit weitgehend gelegt. Dennoch sind meine Handflächen feucht, denn meine Wohnmobil-Fahrpraxis erscheint mir alles andere als ausreichend. Pünktchen rollt aber problemlos und in mir macht sich vom ersten Moment an ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit breit - ich denke, einer meiner Vorfahren muss Zigeuner gewesen sein.

Wir folgen zunächst der A7 an der Küste entlang, denn alles andere als Autobahn macht hier keinen Sinn - zu zahlreich sind die Ortsdurchfahrten der parallel verlaufenden N-332. Die Route haben wir uns nach dem Nordspanien-Handbuch des WoMo-Verlags (Birte sei Dank für das schon etwas in die Jahre gekommene Exemplar) halbwegs zurechtgelegt. Die direkte, fast Autobahn-freie Diagonalroute soll es sein. Zunächst geht es deshalb Richtung Bielsa-Tunnel, der, inmitten der Pyrenäen gelegen, Spanien mit Frankreich verbindet.

An der Ausfahrt Vinaros/Ulldecona verlassen wir die Autobahn und fahren an der Küste entlang nach Sant Carles de la Rapita. Nach einem kurzen Abstecher in den Ort folgen wir der N-340 weiter nach Amposta und dann am Ebro entlang Richtung Tortosa. Im Reiseführer finden wir zwar einige reizvolle Ziele in der Umgebung, vor allem das Ebrodelta, aber wir wollen ja auch irgendwann in Deutschland ankommen, also geht es weiter über die N-230 über Flix nach Maials. Inzwischen befinden wir uns wieder inmitten einer der zahllosen Sierras und kurven mit gemächlichem Tempo bergauf und bergab. In Maials orientieren wir uns in Richtung Fraga und beginnen, uns über ein Nachtlager Gedanken zu machen. Auch Whisky ist wenig begeistert von der langen und vor allem kurvenreichen Strecke, und macht inzwischen mehr als deutlich, dass es ihm reicht.

Als Wohnmobilfahrer entdeckt man die Welt völlig neu. Und man beginnt auch, über bislang wenig interessante Aspekte wie Sicherheit und Unauffälligkeit nachzudenken. Einige verlassene Rastplätze am Straßenrand scheinen sowohl Gabi als auch mir zu einsam und abgeschieden. Kurz vor Fraga sehe ich einen Wegweiser zu einem Campingplatz, aber da sind wir uns einig: So haben wir uns Wohnmobilreisen nicht vorgestellt. Und außerdem scheint uns die Gegend nicht sehr attraktiv.

In Fraga selbst tobt das Leben, es ist Spätnachmittag, Hauptgeschäftszeit sozusagen. Einen zentralen Parkplatz finde ich nicht, aber schließlich kann ich Pünktchen am Ortsausgang in einer Seitenstraße vor einer Baustelle abstellen. Erst mal gehe ich eine Runde mit dem Hund, denn sowohl er als auch ich brauchen etwas Lockerung für die Beinmuskulatur. Als wir zurückkehren hat Gabi beschlossen, dass ihr dieser Platz nicht sonderlich gefällt. Außerdem haben wir noch ein paar Stunden Tageslicht und deshalb ziehen wir weiter. Die Abzweigung nach Monzon verpassen wir und landen auf der 1310 am Rio Cinca entlang Richtung Sariñena.

Von nun an wird jeder mögliche Stellplatz in Erwägung gezogen, und ich zwänge Pünktchen mehr als einmal durch eine winzige Ortschaft, in der Hoffnung, ein lauschiges, aber doch sicheres Plätzchen zu finden. Alles was halbwegs akzeptabel erscheint, wird für eine mögliche Rückkehr vorgemerkt. Je später und dämmriger es wird, desto gereizter wird die Stimmung. Und dann, plötzlich ist uns das Glück hold: links, auf der anderen Flußseite, sehe ich ein kleines Örtchen und auf dem Marktplatz erkenne ich deutlich die Umrisse eines anderen Wohnmobils. Im nächsten Moment geht es links über eine kleine, mittelalterliche Brücke über den Fluß. Ich brauche gar nicht in den Ort zurück, denn rechts, vor der Stadtmauer, liegt ein großer, fast leerer Parkplatz direkt am Flußufer. Ich versuche, Pünktchen rückwärts zu parken und stelle fest, dass ich überhaupt kein Gefühl für seine Abmessungen habe. Gabis Versuche, mich einzuweisen, führen dazu, dass sich die gereizte Stimmung in einem kleinen Disput entlädt. Dann endlich steht Pünktchen richtig, wir kochen schnell ein paar Tortellini, kippen ein Glas Pesto drüber, öffnen eine Flasche Tinto und alles ist wieder gut.

Später am Abend bummeln wir mit Whisky noch gemütlich durch den Ort und über die Brücke und haben Urlaub.