Pünktchens Reiseabenteuer

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Dienstag, 12. September

Stadtbredimus – Lünen

(Google Maps)

Morgenstimmung an der Mosel: Kleine Nebelwölkchen hängen dicht über der Wasseroberfläche und schaffen eine romantische, fast unwirkliche Stimmung. Ich werfe also Gabi aus dem Bett, damit sie das gefälligst auch genießt. Der Hund freut sich über den ausgedehnten Spaziergang an der Mosel entlang. Schon gestern hatten wir den Eindruck, als wären wir hier mitten in die Sommerferien geraten, und dieser Eindruck sollte sich heute noch verstärken.

Zunächst geht es aber weiter an der Mosel entlang und bei Grevenmacher zurück auf die deutsche Seite. Der letzte Kilometer vor der Grenze ist eine ununterbrochene Kette von Tankstellen. Und scheinbar ist ganz Rheinland-Pfalz heute zum Tanken hier. Entsprechend zäh geht es voran. Nach einem kurzen Blick auf die Spritpreise beschließen wir, dem guten Beispiel der anderen zu folgen, und den Tank aufzufüllen. Der Liter Diesel ist hier über zehn Cent günstiger als in Frankreich und Deutschland - das lohnt sich.

Dann geht es vorbei an Trier zur B53. Wir folgen dem gewundenen Verlauf der Mosel - das lassen wir uns sicher nicht entgehen, wenn wir schon mal in der Gegend sind. Das Wetter ist herrlich und scheinbar ist hier wirklich jeder auf Urlaub. Riesige Campingplätze, Unmengen von Wohnmobilen, Fahrradfahrer, Wanderer und Spaziergänger inner- und außerorts: Nach ein paar Kilometern lösen wir das Rätsel - es ist Weinfest-Zeit. In jedem Ort prangen Schilder, die für eines der nächsten (oder vergangenen) Wochenenden entprechende Festivitäten ankündigen. Und das Touristenaufkommen ist entsprechend groß. Gerne hätten wir mal eines der schönen Städchen wie Bernkastel oder Cochem besucht, aber schon von der Straße aus ist gut zu erkennen, dass sich Menschenmassen durch die Gässchen schieben, und die Parkmöglichkeiten bis auf den letzten Platz ausgeschöpft sind. Gabi ist etwas enttäuscht, aber ich vertröste sie auf das nächte Mal - immerhin ist das unsere Jungfernfahrt und mein Vertrauen in Pünktchens Wendigkeit ist noch nicht so gefestigt.
Also begnügen wir uns mit ein paar Aufnahmen aus dem WoMo-Fenster und genießen die Gegend so gut es geht während der Fahrt.

Bei Hatzenport ebbt die Tourismuswelle langsam ab und wir machen eine halbe Stunde Rast. Dann geht es weiter bis Koblenz und kurz davor dann auf die B9 am Rhein entlang nach Norden. Die Strecke ist im Vergleich zum Vormittag eine Enttäuschung. Deutschlands Paradefluß ist selten zu sehen und die Ortsdurchfahrten sind bei weitem nicht so attraktiv wie an der Mosel.

Endlich in Bonn geraten wir schnell auf eine Autobahn und von dort aus direkt in eine Ehekrise. Das Autobahnnetz um Bonn, Köln und Leverkusen ist selbst für einen Ortskundigen schwer durchschaubar. Für uns Ortsfremde, mit antikem Kartenmaterial und Gabis nicht existentem Orientierungssinn gesegnet, stellt es gelinde gesagt eine Katastrophe dar. Wir verdanken es wohl nur einer glücklichen Fügung, dass wir fast ohne Umwege und mit heiler Haut da wieder herauskommen. Bis es endlich soweit ist, treibe ich Gabi aber mit immer neuen Fragen nach Autobahnkreuzen, Abzweigungen, Dreiecken, Nummern, Orten, Richtungen an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Den Tränen nahe blättert sie hilflos zwischen Großraum-, Detail-, Übersichts-, Umfahrungs- und Innenstadtplänen, nur um auf nahezu alle meine Fragen mit einem kläglichen "Ich weiß nicht" zu antworten. Kurz bevor wir über einen konkreten Scheidungstermin reden, geraten wir - mehr durch Zufall - auf die A1. Der Rest ist nicht mehr erwähnenswert. Ohne weitere Probleme und fast schon wieder glücklich verheiratet rollen wir am späten Nachmittag in Lünen ein.