Pünktchens Reiseabenteuer

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Nun steht es also vor der Tür, unser Pünktchen. Selbst Gabi, die meiner Idee noch immer etwas misstrauisch gegenübersteht, ist von Pünktchens Zustand angetan. Nun ja, einige Kleinigkeiten sind zu richten: Die Kompressorpumpe unterm Schrankboden drückt tröpfchenweise Wasser raus und die Durchlaufpumpe ist schlichtweg undicht. Das sind allerdings keine unlösbaren Probleme. Unser Dank gilt hier der Firma Pattex für ihre ausgezeichneten Produkte: Die durchgedrehte Schraube auf der Kompressorpumpe wird gegen einen Pfropfen aus Zweikomponenten-Knete ausgetauscht (die übrigens zur Standardausrüstung jedes Wohnmobilfahrers gehören sollte), und das lockere Kopfteil der Durchlaufpumpe wird mit Alleskleber neu fixiert. Außerdem benötigt der Ablaufhahn vom Küchen-Abwassertank eine neue Dichtung, aber das ist schnell erledigt.

Vor seinem Rückflug gibt uns Thomas, der Wohnmobilprofi, eine gründliche Einweisung, denn das ist unser erstes Wohnmobil und wir wissen so gut wie nix. Besonders die Inbetriebnahme des Wasserkreislaufs will gelernt sein:

- Hähne schließen – insbesondere auch die Ablaufhähne an der Kompressorpumpe
- Wassertanks füllen (Chlor und/oder Silberionen nicht vergessen)
- Wasser in die Pumpe saugen (zu diesem Zweck gibt es sogar einen kleinen Schlauch mit Nuckel)
- Warmwasserhahn in der Nasszelle aufdrehen
- warten, bis der Boiler gefüllt ist

Und auch die anderen Kleinigkeiten - Position der Gashähne, Heißwasserzubereitung mit dem Boiler, Kühlschrankbetrieb mit Strom oder Gas - wollen gelernt sein. Gabi schreibt fleißig mit, damit wir vor dem Start eine Checkliste zur Hand haben.

Im Laufe der nächsten Wochen wird Pünktchen mit allem Nötigen und weniger Nötigen aufgerüstet. In unserem Zwei-Personen-Haushalt haben sich im Laufe der Jahre die meisten Gegenstände auf wundersame Weise vervielfacht. Dadurch ist schnell eine komplette Grundausstattung zusammengestellt, die nur noch durch den Erwerb eines Nudelsiebs und einiger Plastikteller vervollständigt werden muss. Wir leisten uns den Luxus echter Wein- und Biergläser sowie richtiger Kaffeetassen, denn weder Gewicht noch Platz stellen uns vor Probleme.

Die hinteren Schränke werden gerecht aufgeteilt, das heißt, Gabi bekommt doppelt so viel Stauraum wie ich für ihre Klamotten zugesprochen. Die Staufächer unter den Sitzen werden für Putz- und Sanitärausrüstung, Wohnmobilzubehör und Mitbringsel für Familie und Freunde freigehalten.

Und täglich grüßt das Campingklo

Tja, da gibt es noch ein Problem. Eines, über das man ungern spricht. Und zwar über das Klo. Bei der Entscheidung für ein Wohnmobil waren Nasszelle und insbesondere Campingtoilette absolut unverzichtbare Ausstattungsmerkmale - wenn schon unabhängig, dann in jeder Hinsicht.

Allerdings kann ich mich an den Gedanken, die Plastikbox für größere Verrichtungen zu benutzen, nur schwer gewöhnen. Schon der Versuch, es sich in der handtuchbreiten Nasszelle auf der Schüssel bequem zu machen, ruft Schweißausbrüche hervor. Weiter will ich da lieber gar nicht denken. Aber watt mutt datt mutt, also entwickele ich einen genialen Plan: Ich schaffe das Porta Potti in unser Badezimmer und nehme mir vor, es hier, in geräumigem und situationsbezogen-vertrautem Umfeld mit zahlreichen Wasserquellen und abgeschieden von der Welt, einzuweihen. So weit die Theorie.

In der Praxis finde ich jeden Morgen eine neue Begründung, warum es ausgerechnet heute keine gute Idee ist, den Plan in die Tat umzusetzen. Eine Woche vor der Abfahrt schleppe ich das unbenutzte Klo dann wieder ins Wohnmobil und entwickle einen neuen Plan, der sich vor allem mit öffentlichen Toiletten, Gasthäusern und Campingplätzen beschäftigt.

Als ich am Tag vor der geplanten Abreise die Wassertanks neu befülle, gibt der nächste Ablaufhahn seinen Geist auf. Mit Hilfe eines mürrischen Campingplatz-Rezeptionisten finde ich in Benidorm tatsächlich ein kleines Campingzubehörgeschäft. Das überzeugt zwar nicht gerade durch ein breit gefächertes Sortiment, aber ich erstehe für ein kleines Vermögen einen 10-Liter-Plastikkanister, der als Sonderzubehör einen Plastikhahn mit Strohhalm-großem Auslauf enthält. Der Kanister erweist sich als Glücksgriff, denn er ist wesentlich problemloser zu befüllen als die Tanks und dient fürderhin auf allen Reisen als schnelle Hunde- und Kochwasserquelle. Ich nutze die Gelegenheit und erstehe im Geschäft auch gleich einen Adapter für die roten Repsol-Gasflaschen.

Zuletzt wird noch der Kühlschrank mit vorgekühlten Getränken befüllt, und am nächsten Tag geht es dann endlich los.